Der Begriff "Das Ende einer Ära" wird oft benutzt. Heute kann ich ihn mal wieder benutzen und er trifft auch noch genau zu.
Mein Arbeitgeber hat eine Sportgemeinschaft und diese Sportgemeinschaft hatte bis heute auch eine Sparte "Tanzsport". Seit über 25 Jahren wurde getanzt, mit verschiedenen Spartenleitern. Die letzten Jahre hatte ich diese Ehre und war für den wöchentlichen Tanzkurs DJ und Tanzlehrer in einer Person. Leider gingen die Besucherzahlen in den letzten Jahren immer weiter nach unten. Schweren Herzens musste ich vor ein paar Wochen die Entscheidung treffen, der Kurs wird nicht mehr fortgesetzt.
Dieser Arbeitstag begann schon früh. Bei meinem Lieblingsbäcker holte ich meine Bestellung ab und war schon kurz vor halb acht im Büro. Für die Kolleg*Innen brachte ich ein paar leckere Backwaren mit, die auch großen Anklang fanden. Mit meinem Pensum bin ich erneut sehr zufrieden. Wie nicht anders zu erwarten, ist am Jahresende etwas mehr zu tun und so langsam beginnt auch wieder die Urlaubszeit. In Stress verfalle ich nicht, aber ich achte schon auf die Eingangszeiten der Poststücke. Das sollte nicht zu weit in der Vergangenheit liegen. In der Mittagspause schrieb ich den Kolleg*Innen einen gereimten Festtagsgruß.
Um 17:00 Uhr war es dann soweit, zum letzten Mal begann "mein" Tanzkurs. Wir übten alle Tänze durch, die wir in den letzten Jahren einstudiert haben. Inzwischen sind ohnehin nur noch die Stammkunden dabei. Um 18:20 Uhr spielte ich dann das letzte Lied, natürlich von Helene Fischer. Natürlich ein Discofox. "Und morgen früh küss ich dich wach". Einer der Kursteilnehmer erstellte ein Video. Die anderen Teilnehmer räumten mir und meiner langjährigen Tanzpartnerin Platz ein, damit wir für die Kamera unsere besten Figuren noch einmal zeigen konnten. Welle, Körbchen für sie und ihn mit Pose, Armbrecher und Taucher. Nach dem Kurs bedankten sich alle und spendeten reichlich Applaus. Mit einem Kursteilnehmer ging ich noch in die Stadt, auf einen Glühwein und eine heiße Schokolade mit Amaretto.
Dieser Kurs hat mir viel gegeben. Hier habe ich die ersten Versuche als DJ gemacht. In 2012 habe ich die Tanzgruppe zum Tanzstudio Schlegl gebracht und durfte dort dann auch zum ersten Mal an die Regler. Ohne den Tanzkurs wäre es also dazu nie gekommen. In 2014 war ich zum ersten Mal DJ auf der Tanzparty, inzwischen mache ich das einmal im Monat und in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge sogar an Silvester. Meinen Traumjob als Radiomoderator habe ich nicht, aber als Tanzschul-DJ mache ich eigentlich genau diese Arbeit. Einen kurzen Spruch und dann Play drücken. Hin und wieder eine kleine Moderation oder ein Hinweis auf ein kommendes Event.
Irgendwann hatte ich als Schüler auch genug gelernt, sodass ich mein Wissen im Kurs weitergeben konnte. Ob ich ein guter Tanzlehrer war, das dürfen andere entscheiden. Ganz schlecht kann es nicht gewesen sein, etwas ist ja bei den Teilnehmern hängen geblieben. Nicht zuletzt hat es mir auch viele angenehme Begegnungen gebracht, mir geholfen mich innerhalb der Firma besser zu vernetzen und mich selbstbewusster gemacht.
Hin und wieder will Jemand mein Ego dämpfen. Das wäre doch nichts Besonderes, das könne doch jeder machen. Bei einer Tanzparty habe ich dann dem Kritiker einfach das Mikro gegeben, er solle doch vor dem anwesenden Publikum sprechen. Da war plötzlich Ruhe. Kann und will eben doch nicht jeder. Ist doch was dabei.
Damals den Kursteilnehmern die Schritte für die Rumba oder den Walzer zu erklären, hat mich selbstbewusster gemacht wenn es darum ging vor Publikum zu sprechen. Für die Musik zu sorgen hat mich in gewisser Form trainiert oder sensibilisiert für die Geschmäcker der Zuhörer, um eine Auswahl zu treffen, die allen gefällt. Wenn mich also zu Silvester Jemand lobt, dass ich einen guten Job am DJ-Pult mache, dann ist mir bewusst, dass alles mit dem kleinen Tanzkurs am Fuße des Business Towers angefangen hat.
Danke dafür.